Die Exa 1b

Genial einfach - einfach genial!



Im Jahr 1977 brachte die VEB Pentacon als nachfolger der EXA 1a  das Modell 1b auf den Markt. Im Gegensatz zu den Vorgängermodellen verfügt die Exa 1b nun über den weit verbreiteten M42 Objektivanschluss mit Steuerung der Automatikblende. Das ermöglicht die Verwendung der vielfältigen M42 Objektivpalette.

Objektive von Meyer Optik Görlitz, Pentacon, Zeiss, oder  Zenith und viele mehr finden nun Anschluss.
Am Design der Kamera wurde gegenüber der EXA1a sonst nichts Wesentliches geändert. Ursprüngliches Ziel der Entwicklung der EXA-Baureihe war es, eine robuste aber bezahlbare, vollwertige Spiegelreflexkamera  neben der legendären Exakta zu konstruieren, die dem Anwender mit kleinerem Geldbeutel den Einstieg in die Spiegelreflex Fotografie ermöglicht.

Eine enorme Einsparung war möglich durch die Verwendung eines Klapp-Verschlusses, bei dem der Spiegel den ersten Verschlussvorhang ersetzt. Auf eine komplizierte und teure Verschlusszeitensteuerung für lange Belichtungszeiten wurde ebenfalls verzichtet, so dass der Verschluss keine gesteuerten Zeiten oberhalb 1/30 Sekunde bietet. Da diese Zeiten ohnehin freihand nicht sinnvoll einzusetzen sind, ist dies aber kein großer Nachteil. Die kürzeste Verschlusszeit ist mit 1/175 Sekunde in der Regel ebenfalls ausreichend.
Für längere Belichtungszeiten steht  "B" zur Verfügung, wobei der Verschluss solange geöffnet bleibt, wie der Auslöser gedrückt oder per Drahtauslöser betätigt wird.
Als Synchronzeit steht die 1/60 Sekunde, und für langsamere Blitzbirnen die 1/30 Sekunde zur Verfügung.

Der mechanisch genial  einfach aufgebaute Verschluss ist äüßerst robust und arbeitet exakt.

Erst beim Betätigen der Auslösetaste wird  das Objektiv abgeblendet, so daß in Verbindung mit Automatik.Objektiven die Fokussierung bei Offenblende möglich ist.

Der Filmtransport erfolgt per Schnellspannhebel, wobei gleichzeitig der Verschluss gespannt, und der Spiegel in Aufnahmeposition gebracht wird.

Versehentliches Auslösen, etwa beim Transport der Kamera, wird zuverlässig verhindert durch umlegen des Verschlusssicherungshebels links neben dem Sucher.  Als Sucher bietet die Exa neben dem Schachtsucher mit integrierter Sucherlupe auch einen Prismensucher, welcher ein helles, aufrechtstehendes seitenrichtiges Bild anzeigt

Links oben, unter der Filmrückspulkurbel findet sich das Verschlusszeiten Einstellrad. Es bietet die Zeiten 1/30, 1/60, 1/125 Sekunde, sowie als kürzeste Einstellung noch 1/175, welche nicht ganz einer Blendenstufe entspricht, aber doch merklich kürzer als die 1/125 Sekunde ist, wichtig etwa für Sportaufnahmen, zum "Einfrieren" von Bewegungen.

Rechts finded sich auf dem Schnellspannhebel das Bildzählwerk sowie eine Merkscheibe, auf welcher die verwendete Filmempfindlichkeit in DIN  oder ASA eingestellt werden kann.

Einen eingebauten Belichtungsmesser hat die EXA nicht, so daß diese Scheibe außer einer Merkhilfe keine weitere Funktion erfüllt. Zwischen Schnellspannhebel und Suchereinsatz sitzt der Filmrückspulknopf.

Am Boden der Kamera befindet sich das Standard-Stativgewinde (1/4-Zoll-20- Gang-UNC-Gewinde), sowie die Verriegelung der Kamera Rückwand.

Vierteldrehung nach links  öffnet die Verriegelung, stehen sich die beiden roten Markierungspunkte gegenüber, lässt sich die Kamerarückwand mit der Bodenplatte nach unten abziehen. Vierteldrehung nach rechts verriegelt die Rückwand.
Die Lichtdichtungen meiner Kamera arbeiten auch nach fast 35 Jahren noch einwandfrei, sollten sich aber bei Bedarf ohne großen Aufwand auswechseln lassen.


Objektive ohne Blendenautomatik können ebenso verwendet werden, wie Automatik-Objektive im manuellen Modus. So lässt sich die Wirkung der eingestellten Blende auf die Schärfentiefe stets beurteilen.

Im ebenfalls unterstützten Automatik
Modus des Objektivs bleibt das Sucherbild zum exakten Fokussieren voll aufgeblendet, was unabhängig von der vorgewählten Blende ein stets angenehm helles Sucherbild bewirkt.

Die Kamera verfügt zwar nicht über eine extra Abblendtaste, doch lässt sich das Objektiv durch antippen des Auslösers abblenden, da dieser erst beim vollständigem durchdrücken den Verschluss auslöst.
Zuvor wird beim eindrücken des Auslöseknopfes unten im Spiegelkasten der Abblendbügel nach vorn bewegt, wodurch bei Automatik Objektiven der Blendenstößel betätigt wird.

Im Auslöseknopf ist auch ein Standardgewinde zum Anschluss eines mechanischen Draht- oder Zeitauslösers


Für die EXA gibt es zwei auswechselbare Suchersysteme. Zum Einen den  Schachtsucher mit Einblick von oben, zum Anderen den Prismensucher .

Die Sucher lassen sich leicht nach oben abziehen, und werden durch Sperrfedern in Position gehalten

Die Einstellscheiben lassen sich am abgezogenen Sucher mit einem Handgriff auswechseln, zur Verfügung stehen eine robuste Mattscheibe aus Glas, sowie eine Scheibe mit Mikroprismen und bildaufhellender Fresnellinse.

Darüber hinaus passen viele Scheiben aus dem Exakta Programm, sowie die Einstellscheiben der Praktica VLC.



Am Sucherokular des Prismensuchers lassen sich Aufsätze wie etwa ein Blitzschuh, eine Augenmuschel oder ein Dioptrienausgleich bei Fehlsichtigkeit anbringen. Daneben passen hier auch Winkelsucher, Sucherlupe und weiteres Zubehör für den Sucher der Praktica

Der genial einfache Verschluss der EXA gibt voll geöffnet ein Bildfenster von gerade einmal 20 x 36mm frei. Das ist bei normalbrennweitigen oder weitwinkel Objektiven nicht von Nachteil, macht sich aber bei verwenden von langen Brennweiten über 100mm sowie bei Auszugsverlängerung (Zwischenringe) von mehr als 20mm bemerkbar. In diesen Fällen kann es je nach eingestellter Blende  am oberen und unteren Bildrand zu Vignettierungen kommen.

Beim Selbstvergrößern der Abzüge stellt das aber kein Problem dar.  An meiner EXA verwende ich Objektive bis 200mm Brennweite oder ein Balgengerät.  Vom Kleinbildnegativ bleiben dann statt der 24 x36 mm immer noch  20 x 36mm nutzbar.
Unbestreitbarer Vorteil der einfachen und rein mechanischen Verschlusskonstruktion ist die Zuverlässigkeit bei jedem Wetter, sowie deren Unabhängigkeit von einer Batterie.

Zum Wechseln des Filmes (135er Patrone mit bis zu 36 Bildern) ist zunächst die Rückwand zu entfernen.

Die Aufwickelspule (grün) lässt sich nach unten abziehen, und der Film mit seinem Anfang unter die Feder der Aufwickelspule klemmen.  Der Film muss mit der Schichtseite nach innen nach rechts  tranportiert werden. Spule auf den Mitnehmer im Aufwickelfach aufstecken. Dazu falls nötig mittels Spannhebel  den Mitnehmer in eine passende Position bringen.


Filmpatrone links ins Filmpatronenfach einlegen, und Film leicht spannen.


                                                                                                                            Die Perforation des Films muss beidseitig in die Zahnräder der Film- transportwalze eingreifen.

Rückwand auflegen, nach oben schieben und anschließend mit dem Verriegelungsknopf an der Bodenplatte verriegeln. Kontrolle auf korrekten Sitz prüfen. Jetzt per Schnellspannhebel  den Film weiter transportieren, auslösen und abermals den Film weiter transportieren.

Jetzt den Bildzähler je  nach Filmlänge auf 36, 24 oder 12 stellen. Das Bildzählwerk zählt nun nach jeder Belichtung rückwärts, und zeigt die noch verbleibende Anzahl an Bildern auf dem Film.



Der Schachtsucher liefet ein brilliantes Bild, daß sich mit der ausklappbaren Sucherlupe auch vergrößert betrachten lässt. Durch drücken auf den hinten angebrachten kleinen Hebel springt der Sucher in Position. Die Sucherlupe kann, falls nicht benötigt, nach unten weg geklappt werden.
Der Deckel schließt sich durch Druck von vorn auf den Deckel, wodurch sich der gesamte Sucher zusammenfaltet, und der Deckel in geschlossener Position einrastet.
Hervorragend geeignet ist der Schachtsucher für Aufnahmen aus tiefer Kameraposition, oder für Überkopf Aufnahmen.


Die EXA eignet sich sogar  für Repro- und Makroaufnahmen. Hier zu sehen mit dem Praktica Winkelsucher und zwei Contax Zwischenringen.  Statt der einfachen Zwischenringe lassen sich auch M42 Automatik Zwischenringe verwenden. Diese übertragen dann per Stößel die Blendenfunktion an das Objektiv, so daß auch im Macrobereich bei Offenblende fokussiert werden kann.

Der Winkelsucher ermöglicht bequemen Suchereinblick am Reprostativ, und wegen seiner Vergrößerung exakteres Fokussieren.





Die gesamte Konstruktion der EXA 1b ist äußerst solide und störunanfällig. Zusammen mit einem einfachen Handbelichtungsmesser ein ideales Werkzeug zum entschleunigten Fotografieren. Mit hochwertigen Objektiven, wie z.B. dem Tessar 2,8/50 eingesetzt bringt die Kamera Ergebnisse, die sich nicht hinter denen hochwertigster und modernster analoger SLR-Kameras verstecken müssen.  Schon mit dem einfachen, dreilinsigen Domiplan 2,8/50mm macht die Kamera ansprechende Bilder,  darüberhinaus steht  Dir die schier endlose Palette an M42 Objektiven zur Verfügung..

Die Verarbeitung ist sehr gut. Das stabile Vollmetallgehäuse ist vernickelt und matt verchromt, Rückwand und Front sind griffig beledert. Insgesamt bietet die Kamera auch Menschen mit größeren Händen eine gute Haptik und Bedienbarkeit. Einzig die wegen des Klappverschlusses etwas eingeschränkte Verwendbarkeit mit extremen Teleobjektiven oder großen Auszugsverlängerungen sind ein kleiner, aber durchaus hinnehmbarer Minuspunkt.


Technische Daten:

Typ Analoge SLR Kleinbild System-Kamera
Hersteller: VEB Pentacon Dresden
Baujahr: 1977 - 1984
Gewicht: 580g (mit Schachtsucher, ohne Objektiv)
Maße: 91*132*49mm (mit Schachtsucher, ohne Objektiv)
Anschluss: M 42


Weiterführende Links:


Bedienungsanleitung
die Exa 1b Bedienungsanleitung   (PDF ca 12 MB) kann ich Dir bei Interesse gerne per E-Mail zukommen lassen!    baadenweb@gmx.de

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